Ein Tunnelspiel (Tunnel Play/Tunneling Game) bezeichnet im BDSM-Kontext ein extrem angelegtes Rollenspiel, bei dem eine vorher definierte Macht- und Kontrollsituation im Mittelpunkt steht. Der Begriff findet sowohl in der BDSM-Szene als auch in erotischen Fantasie- und Medienkontexten Verwendung, ist jedoch nicht einheitlich definiert. Typisch ist die Idee einer intensiven Szenerie zwischen aktivem und passivem Part, bei der Kontrolle, Reizintensität und psychologische Spannung eine zentrale Rolle spielen. Tunnel Plays gelten als Teil des erweiterten Spektrums von BDSM-Machtspielen mit unterschiedlichem Risikoprofil, wobei viele Porno- und Sexgeschichten-Darstellungen das Szenario als eine besonders konsequente Form der Hingabe beschreiben. In der praktischen BDSM-Ausübung sollte man aber natürlich immer auf klare Absprachen, Einvernehmlichkeit und Sicherheitsmechanismen achten.
Was ist ein Tunnelspiel im BDSM?
Tunnelspiele, auch als
Tunnel Play oder
Tunnelling Games bekannt, sind ein besonders extremes BDSM-Rollenspiel, das totale Ausweglosigkeit erzeugt. Für den passiven Part, den Bottom, gibt es hier keinen sicheren Rückzug, kein rettendes
Safeword und keinen Moment der Unterbrechung. Einmal begonnen, muss das Spiel in voller Intensität durchlebt werden.
Der aktive Part, der Top, übernimmt dabei uneingeschränkte Kontrolle und gestaltet das Szenario nach seinen eigenen Vorstellungen, oft jenseits klassischer SSC-Regeln (safe, sane, consensual).
Typisch sind Situationen, in denen
Lust und Schmerz ineinanderfließen: betäubte oder empfindlich gemachte Körperzonen, gezielte Reizüberflutung, Fesselungen oder erotische Foltermethoden mit Hilfsmitteln aus dem BDSM-Bereich. Diese Art von Machtspiel wird in Hardcore-BDSM-Pornos, Camsex-Fantasien und erotischen Sexgeschichten häufig als
Tabu-Kick präsentiert und wirkt in ihnen gerade deshalb so verführerisch gefährlich.
Wie funktionieren Tunnelspiele in der BDSM-Praxis? Beispiele für Tunnelling Games
Tunnelling Games präsentieren sich in den verschiedensten Formen. Zu den bekanntesten und beliebtesten zählen:
- Keuschhaltungstunnel: Hierbei legt der aktive Part dem passiven einen Keuschheitsgürtel an und friert den dazugehörigen Schlüssel ein, bewahrt ihn in einem mit einem Zeitschloss gesicherten Gefäß oder anderweitig so auf, dass dieser nicht vor Ablauf einer bestimmten Zeit entnommen werden kann.
- Lokale Betäubung: Das gelingt etwa dadurch, dass der aktive Part eine entsprechende Salbe auf den Penis des passiven Gegenübers aufträgt, um die Empfindlichkeit zu mindern.
- Figging: Hierbei führt der aktive Part Ingwer in den Anus der passiven Person ein. Die ätherischen Öle im Ingwer reagieren mit den Schleimhäuten und lösen ein mehr oder weniger intensives Brennen aus.
- Brennnesseln: Für diese Form des Tunnelspiels wickelt der Top bestimmte Körperpartien des Bottoms in Frischhaltefolie, nachdem er diese Partien mit Brennnesseln belegt hat. Zwar lässt sich die Folie leicht entfernen; das Brennen beziehungsweise der Juckreiz müssen aber von selbst nachlassen.
Überdies existieren noch deutlich mehr Ideen fürs Tunnelspiel. Dazu gehören
das nackte Aussetzen im Wald, das Einführen von Eiswürfeln oder das Selbst-an-die-Heizung-Fesseln-und-Schlüssel-plus-Smartphone-Wegwerfen durch den Bottom.
Alternativ kann man auch an Intox-Tunnel-Plays denken, bei denen es zum Einsatz von Medikamenten (Stichwort Abführmittel), Alkohol beziehungsweise Drogen kommt. Spiele dieser Art empfehlen sich aufgrund der damit verbundenen, oftmals nicht vollständig überschaubaren Sicherheitsrisiken jedoch nur in eingeschränktem Maße.
Warum sind Tunnelspiele für viele BDSM-Fantasien so faszinierend?
Tunnelspiele sind nicht für jeden geeignet, sie verlangen umfangreiches Sicherheitswissen, extreme Hingabe und grenzenloses Vertrauen. Nur wenige
BDSM-Enthusiasten wagen sich an diese intensive Form der Machtübergabe, bei der der Bottom komplett ausgeliefert ist und keine Möglichkeit zur Unterbrechung hat.
Denn selbst der Top kann bei manchen Varianten, wie dem Safe mit Zeitschloss, kaum eingreifen. Genau diese radikale Grenzüberschreitung macht den besonderen Reiz aus.
Die Mischung aus
- Hilflosigkeit,
- Schmerz
- und Lust
erzeugt eine einzigartige erotische Spannung, die viele als extrem erregend und intensiv erleben.
Wie das unter anderem aussehen kann (wenn auch nicht gleich in der Hardcore-Variante), zeigt etwa unsere eigene Sexgeschichte
Warten auf den der kommt – Sub Marina beweist ihren Gehorsam. Hier die Einleitung:
„Denk daran, daran, es sind 30 Minuten, die du warten wirst. Warten – und zwar kniend, nur mit einer offenen Strumpfhose und Pumps bekleidet. Deine Hände ruhen dabei auf der oberen Bettkante, du hältst die Augen geschlossen und wirst dein Gesicht nicht umwenden – egal, was passiert. Sollte jemand diesen Raum betreten, hat er das Recht, mit dir zu tun, was immer er möchte. Aber keine Sorge, es wird wenn nur jemand kommen, der unsere Safewords kennt und sie respektiert.“
Tunnelspiele in Pornos und Camsex: zwischen Fantasie und Inszenierung
Wie schon gesagt sind Tunnelspiele in
BDSM-Pornos und beim Camsex häufig ein besonders reizvolles Element. Schließlich zeigen sie ein intensives Erleben von totaler Machtübergabe, Hingabe und Grenzüberschreitung, was das Publikum oft besonders fesselt.
Hardcore-Pornos nutzen diese Spiele gern, um dramatische, fast schon filmreife Szenarien zu schaffen, in denen Lust, Schmerz und Kontrolle auf die Spitze getrieben werden.
Wichtig ist jedoch: Das, was im Porno gezeigt wird, ist meist stark stilisiert und dramatisiert. Viele Praktiken entsprechen nicht unbedingt der realen Spielpraxis, sondern dienen der Unterhaltung und Ästhetik, nicht der sicheren und verantwortungsvollen Umsetzung im echten BDSM-Alltag.
Eine kritische Betrachtung, wie sie etwa auch in unserer
Review zu Punishworld.com angerissen wird, hilft, diese Unterschiede zu verstehen.
Im Gegensatz dazu stehen Sexcam-Plattformen wie man sie über
Sexcamcast findet, die Tunnelspiele mit einem klaren Fokus auf Sicherheit, Einvernehmlichkeit und Respekt präsentieren. Dort wird deutlich, dass nicht alles möglich oder ratsam ist, sondern verantwortungsbewusst mit Grenzen umgegangen wird.
Wer also den Reiz von Tunnelspielen wirklich genießen möchte, sollte sich genau mit den Risiken und der Praxis auseinandersetzen, um die reine Pornofantasie von der Wirklichkeit zu trennen und so
die eigene Erfahrung sicher und erfüllend zu gestalten.
Tunnelspiele im Kontext von SSC, CNC, Metakonsens und TPE
Das Tunnelspiel zählt zu den am kontroversesten diskutierten Bestandteilen einer BDSM-Session. Das liegt daran, dass sie sich an der Grenze zum
CNC (consensual non-consent), also der einvernehmlichen Nichteinvernehmlichkeit, bewegen oder diese sogar im Sinne des
Metakonsens überschreiten.
Was also eindeutig im Gegensatz zu
SSC (safe, sane and consentual – sicher, verantwortungsvoll und einvernehmlich) steht, zumindest im Hinblick auf die Einvernehmlichkeit bei dieser konkreten Form eines BDSM-Machtspiels. So betrachtet hat das Ganze eher etwas von TPE (Total Power Exchange, „totale Machtübergabe“). Diese kann sich nur auf die erotische Kontrolle beziehen, häufig gehören jedoch noch weitere Bereiche wie
- die sozialen Beziehungen,
- die Finanzen
- oder die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit
in den Bereich, den der Top kontrolliert.
Risiken, Sicherheit und Verantwortung bei Tunnel Plays
Ein Tunnelspiel erfordert zwingend eine klare Einvernehmlichkeit, zumindest vorab. Absolutes Vertrauen zwischen Top und Bottom ist Grundbedingung, weshalb beide Partner sich gut kennen sollten.
Ebenso wichtig sind fundierte medizinische und psychologische Kenntnisse. Dazu zählen:
- ausreichend Zeit zur ausführlichen Aufklärung des Bottoms über den Ablauf und mögliche Risiken,
- Kenntnis über Nebenwirkungen und Intensität der eingesetzten Reize oder Hilfsmittel,
- und umfassende Unterstützung während und nach dem Spiel (Aftercare), wie Essen, Trinken, Hautpflege und gemeinsames Herunterkommen
Merke also? Obwohl Tunnelspiele von Natur aus risikoreich sind, muss der Top bewusst und verantwortungsvoll mit diesen Risiken umgehen.
Beispielsweise darf niemand fixiert oder hilflos über längere Zeit allein gelassen werden, auch wenn es gewünscht ist. Besser einmal zu oft „Nein“ sagen als zu wenig. Auch bei vorhandener Erfahrung empfiehlt sich ein behutsamer Einstieg mit weniger herausfordernden Spielen.