In der deutschen Übersetzung heißt der Begriff sinngemäß „zum Bisex gezwungen“. Es handelt sich um ein fantasievolles Szenario, in dem eine Person ohne erkennbares Interesse zum gleichgeschlechtlichen Sex aufgefordert wird. Primär kennt man Forced Bi aus Pornos und der Camerotik, prinzipiell lässt er sich aber auch in die real ausgelebte Erotik übertragen. Ähnlich wie bei Rape Games gilt aber auch hier: Es muss sich um ein Spiel mit zuvor klar definierten, von allen Beteiligten akzeptierten Grenzen handeln. Andernfalls wäre die Sache aus guten Gründen strafbar. Dennoch kann Forced Bi gerade im CNC-Kontext für einen reizvollen Tabubruch und einzigartige Machtdynamiken sorgen.
In welchen Kontexten kommt Forced Bi vor (BDSM, Pornos, Camsex)?
Meistens geht es um ein Rollenspiel rund um soziale Rollen, die temporär aufgebrochen werden. Typisch sind beispielsweise
Cuckold-Szenarien oder Konstellationen, in denen eine Person augenscheinlich zu bisexuellen Handlungen überredet oder gezwungen wird.
Hintergrund ist häufig ein BDSM-Szenario, in dem eine
Femdom mit zwei Subs gleichzeitig interagiert – um beide irgendwann aufzufordern, vor ihren Augen miteinander Oral- oder Analsex zu haben. Der Kick liegt dabei im Tabubruch, da die Männer in diesem Spiel ursprünglich andere Interessen verfolgen.
Zwingend erforderlich ist der BDSM-Kontext allerdings nicht: Die psychologische Spannung kann sich durchaus auch in anderen Strukturen entwickeln. Ein in Pornos oder
Sexgeschichten gerne aufgegriffenes Szenario ist etwa der Ehemann, der seine Frau und den Hausfreund im Bett erwischt – um Minuten später selbst mit dem Fremdschwanz zu spielen.
Der besondere Reiz von Forced Bi liegt für viele Menschen aber so oder so in der kontrollierten Grenzüberschreitung: Tabus, Machtgefälle und scheinbarer Kontrollverlust erzeugen eine psychologische Spannung, die das Rollenspiel besonders intensiv wirken lässt.
Wer interessiert sich für Forced Bi – und warum?
Die Zielgruppe ist vielfältiger, als man im ersten Moment annehmen würde. Zwar handelt es sich tatsächlich um eine heimliche Fantasie vieler heterosexueller Männer, die ihren Kick aus der gesehenen oder erlebten Grenzüberschreitung ziehen. Doch zunehmend entdecken auch Frauen ihr Interesse an dieser Spielart, die gleich
zwei häufige Fantasien miteinander vereint. Gleichzeitig macht es Forced Bi möglich, die Lust am homoerotischen Spiel unter Männern mit Dominanzfantasien zu kombinieren.
Für viele Frauen ist es also nicht nur reizvoll, Männern beim Blowjob oder
Arschfick zuzuschauen: Sie lieben es auch, das Szenario einzuleiten und möglicherweise auch zu dirigieren. Je nach Konstellation und Vereinbarung kann es sich dabei um scheinbaren Zwang oder um eine inständige Bitte handeln.
Bleibt noch zu klären, wer sich aktiv am Geschehen beteiligt. Das sind vor allem
- bisexuelle Menschen mit Lust am Rollenspiel,
- Bi-Neugierige, die eine Grenzerfahrung machen wollen,
- heteroflexible Personen mit devoter Tendenz und
- unterwürfige, oft auch masochistische Menschen, die im Sinne von Total Power Exchange oder CNC bereit sind, die eigenen Tabus für den Moment hintanzustellen.
Wie läuft Forced Bi ab? Typische Szenarien und Dynamiken
Für mögliche Rollenspiele gibt es nur wenige Grenzen: Was man zuvor miteinander vereinbart hat und nicht gegen Recht und Gesetz verstößt, ist auch beim Forced Bi erlaubt. Allerdings werden einige Motive generell recht häufig bedient. Ein gerne gespieltes Szenario etwa dreht sich um eine Person, die sich im Hinblick auf homoerotische Handlungen zunächst zögerlich oder ablehnend zeigt.
Durch (
Dreier‑)Gruppendynamik, Überredungskunst, Versprechungen oder unmittelbaren Zwang lässt sie sich dennoch darauf ein. In allen Rollenspielen rund um den erzwungenen Bisex sind mindestens zwei weitere Personen erforderlich, unter denen wenigstens eine die dominante Rolle ausübt. Die „gezwungene“ Person hingegen ist eher devot, während sich die ausführende Dritte hierarchisch meistens dazwischen befindet.
Auch beim „Drumherum“ gibt es keine Vorgaben. Dementsprechend sind Rollenspiele im beruflichen Umfeld ebenso möglich wie im privaten Schlafzimmer.
Bei den sexuellen Handlungen gibt es dennoch Muster, die sich oft wiederholen: Zunächst beginnt der homosexuelle Teil mit Streicheln und sanften Küssen, um dann in den Oralverkehr überzugehen. Manchmal ist dies bereits der Höhepunkt des Geschehens, oft geht das Spiel aber nahtlos in den
Analsex unter Männern über. Auch die dritte, oft weibliche Person, muss sich nicht zwingend mit der zuschauenden Rolle begnügen, sondern kann aktiver Teil des Geschehens werden. Möglich sind zum Beispiel
- Küsse zu dritt,
- Cunnilingus (ggf. auch Facesitting) bei gleichzeitigem Analsex der Männer,
- Sandwich-Konstellationen (anal gefickter Mann penetriert sie anal oder vaginal),
- Blowjob beim anal gefickten Mann
- oder ein gemeinsam mit einem der Männer am anderen durchgeführter Blowjob.
Welche Rolle spielt Forced Bi im BDSM?
In BDSM-Szenarien lässt sich die Liste noch einmal erweitern. So kann die Femdom die Männer zum gegenseitigen
Analfisting auffordern, alternativ ihre Hände in einem oder beiden Männerhintern versenken. Auch Natursekt-Spiele sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.
Überdies spielt die männliche Anatomie eine wesentliche Rolle: Für viele Fans dieser Spielart sorgt es für einen besonderen Kick, dass ein Mann
einen natürlichen Schwanz bläst oder von einem solchen gefickt wird.
Außerdem besteht ein oft gezeigtes Forced-Bi-Highlight im (häufig auch durchs Abmelken erzwungenen) Abspritzen von Sperma mitsamt gegenseitigem Schlucken. Da zumeist mindestens einer der Männer zu dem Spiel „gezwungen“ wird, ist die orale Aufnahme von eigenem oder Fremdsperma für ihn allerdings mit Widerwillen und Abscheu verbunden.
Wobei, wichtig dabei ist: Da ein jederzeit widerrufbares Einverständnis vorliegt und man idealerweise mit endgültigen Safewords arbeitet, stellt genau diese Erniedrigung und erzwungene Widerwillen-Überwindung eben genau diesen zusätzlich gewünschten Kick dar.
Ist Forced Bi nur MMF oder auch in FFM- und anderen Konstellationen möglich?
Tatsächlich finden sich bei diesem Spiel, sofern es einer Porno-Inszenierung dient, vielfach zwei (oder mehrere) Männer mit mindestens einer Frau für einen Dreier oder darüber hinausgehenden Herrenüberschuss zusammen.
Dies ist insbesondere der Tatsache geschuldet, dass weibliche Bisexualität (anders als die männliche) gesellschaftlich weitgehend akzeptiert ist. Ein Umstand, der dazu führt, dass bei den
bisexuellen Dreiern in Pornos MMF-Varianten deutlich eher als FFM-Varianten wahrgenommen werden. Doch das ist noch einmal ein eigenes Thema.
Zurück zum Thema
FFM: Auch in dieser Konstellation kann Forced Bi eine Rolle spielen, beispielsweise in der BSDM-Personenkonstellation
- weiblicher Bottom,
- weiblicher Switcher (oder auch Bottom)
- und männlicher Top.
Das Miteinander ist dann oft so gestaltet, dass der Top dann eine beobachtende, lenkende Rolle einnimmt. Die Frauen kommen dann seinen Anordnungen nach, wobei eine der anderen immer noch überlegen sein kann, siehe etwa unsere Sexgeschichte
Warten auf den, der kommt 2.
Außerdem gibt es noch viele weitere Optionen, man denke etwa an den Besuch von O auf Samois in
Geschichte der O, wo sie von Sir Stephen abgeliefert wird, und wo sich nur Frauen aufhalten. Der Kreativität sind also wenig Grenzen gesetzt.
Und apropos Grenzen: Die sind ohnehin fließend, zumal es bekanntlich mehr als nur zwei Geschlechter gibt. Gerade Femboys, Drag Kings oder Transpersonen können eine ganz besondere Dynamik in das Spiel bringen. Außerdem gibt es kein Gesetz, dass die Verwendung von Sexspielzeug wie einem Strapon verbieten würde …