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Nymphomanie

Hypersexualität Pornografie Naturgeil
Zeitgeber-Symbol 14. Apr, 2026
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Nymphomanie, Artikelbild
Mit dem Begriff Nymphomanie bezeichnete man früher ein gesteigertes weibliches Verlangen nach Sex – primär in der Kombination mit der Promiskuität, dem häufigen Wechsel der Partner. Für Männer mit ähnlichem Verhalten wurden Begriffe wie Satyriasis oder Donjuanismus verwendet. Heute benennt man dieses Phänomen geschlechtsneutral als Hypersexualität. Seit 2022 führt die WHO in der ICD-11 zudem die Diagnose „Compulsive Sexual Behavior Disorder" (CSBD, 6C72) als geschlechtsneutrale Klassifikation. Dabei wird gesellschaftlich wie wissenschaftlich aber immer noch kontrovers diskutiert, inwiefern ein Zusammenhang zwischen psychischen Störungen und der Hypersexualität besteht und ob es sich womöglich um eine Form der erotisch-sexuellen Emanzipation handelt. Allerdings wird die nach wie vor spürbare Pathologisierung weiblicher Sexualität insbesondere durch die feministische Sexualwissenschaft zunehmend kritisiert. Zudem fänden soziale und kulturelle Faktoren in diesem Zusammenhang zu wenig Berücksichtigung.


Welche sprachhistorischen Ursprünge hat die Nymphomanie?

 
Der älteste schriftliche Nachweis für den Begriff der Nymphen findet sich auf einer Tafel aus der Grotte Melissani auf der griechischen Insel Kefalonia. Diese stammt aus dem 3. Jahrhundert vor Christus und bezieht sich auf eine antike Kultstätte des Hirtengottes Pan. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass der Begriff „Nymphomanie“

  •  „νύμφη“ (nýmphē, „Braut“)
  •  „μανία“ (manía, „Wahnsinn“ oder „Raserei“)

in der Antike eine andere Bedeutung hatte.

Dort waren Nymphen in der griechischen Mythologie junge weibliche Halbgöttinnen, die durch ihre außergewöhnliche Schönheit und ihr langes Leben auffielen. Obwohl sie nicht unsterblich wie die höheren Gött*innen waren, galten sie als eng mit der Natur verbunden. Kein Wunder, lebten sie doch an Orten wie Bergen, Meeren, Wäldern und Bäumen. Passend dazu hatten sie die Aufgabe, die Natur zu schützen und zu pflegen. Und nicht zuletzt traten sie auch als Begleiterinnen bedeutender Gottheiten wie Dionysos, Artemis oder Aphrodite auf.

Besonders bekannt waren dabei 

die Wassernymphen (Najaden) die Meeresnymphen (Nereiden und Okeaniden)
die Wald- und Baumnymphen (Dryaden, Hamadryaden und Meliaden) sowie die Berg- und Grottennymphen (Oreaden


Oder mit anderen Worten: Obwohl die Nymphensymbolik verschiedene, auch später auftauchende Aspekte wie Fruchtbarkeit und Sexualität beinhaltete, waren diese nur zwei von mehreren wichtigen Assoziationen in der griechisch-römischen Mythologie. Was sich auch daran erkennen ließ, dass die Nymphen auch für das Spenden und Erhalten von Leben verantwortlich waren. 

  

Wie hat sich die Bedeutung der Nymphomanie im Laufe der Jahrhunderte verändert?

 
Durch das von dem französischen Arzt im Jahr 1771 durch den französischen Arzt Jean Baptiste Louis de Thesacq de Bienville veröffentlichte Werk Nymphomanie, ou Traité de la fureur utérine erhielt das Phänomen des gesteigerten weiblichen Sexualtriebs erstmals einen medizinischen Fachbegriff. Im 19. Jahrhundert fand die Bezeichnung dann auch im deutschsprachigen Raum eine breitere Verwendung.

Und zwar auch im wissenschaftlichen Kontext: Eine sehr ausführliche Darstellung (59 Seiten, mit zahlreichen Kasuistiken und Therapieempfehlungen) der Nymphomania oder Mutterwuth findet sich 1841 im „Encyclopädischen Wörterbuch der medicinischen Wissenschaften“. Drei Jahre später beschreibt Ludwig August Kraus die Nymphomania als Hysteromania (Mutterwuth) und erinnert an die synonyme Bezeichnung Oestromania von Hippokrates.

Das "Deutsche Wörterbuch" der Brüder Grimm erklärte 1889 die Nymphomanie wiederum als Mannsucht oder Liebeswut – übrigens unabhängig vom Geschlecht des Betroffenen. Vier Jahre später definierte Otto Dornblüth 1893 allerdings deutlich enger: „Anhaltende geschlechtliche Erregung bei (schwachsinnigen oder blödsinnigen oder an akuter Manie leidenden) weiblichen Irren."

Heute mögen derlei Definitionen befremdlich klingen, doch selbst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vertrat man recht vergleichbare Standpunkte. So definierte das 1973 erschienene „Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete“ die Nymphomanie noch als
 
„Kyteromanie, Andromanie, Metromanie, Furor uterinus, Mannstollheit: krankhaft gesteigerter heterosexueller Geschlechtstrieb bei Frauen, entweder als Symptom einer psychischen Krankheit (Manie) oder als Ausdruck einer neurotischen Fehlentwicklung (der Satyriasis des Mannes entsprechend)."
 
Ähnlich erklärte Friedrich Dorsch noch 1992 nur knapp: „Nymphomanie, auch Hysteromanie, Andromanie, Mannstollheit. Es sollte noch einmal knapp dreißig Jahre dauern, bis Willibald Pschyrembels Wörterbuch die Nymphomanie 2023 als „veraltete und wegen fehlender objektiver Kriterien umstrittene Bezeichnung für gesteigertes sexuelles Verlangen bei Frauen" beschrieb. 


Warum gilt der Begriff heute als problematisch?

 
Es gibt die „normale“ Sexualität – und es gibt die Nymphomanie: Im Laufe der Zeit hat sich das bloße Wort zu einem abwertenden Etikett für ein vermeintlich absonderliches Sexualverhalten entwickelt. Doch wer genau soll einschätzen, wo gesundes sexuelles Verlangen aufhört und krankhaft gesteigerter Sexualtrieb beginnt – zumal sich auch die kulturelle Sexualmoral und die damit verbundenen Sitten und Wertvorstellungen im Laufe der Zeit immer wieder verändern?

Auch kulturelle Unterschiede lassen sich nicht wegdiskutieren: Was in einem Land als „üblich“ gilt, würde anderswo einen handfesten Skandal darstellen oder wäre sogar illegal. 

Auch der Umstand, dass die Nymphomanie in der Prostitution und Pornografie durchaus zu den gebräuchlichen Worten gehört, um Personen als besonders tabulos und sexhungrig darzustellen, macht die Sache nicht einfacher. Denn viele tatsächlich von Hypersexualität betroffene Personen (verschiedene Schätzungen gehen von 2 – 6 Prozent der Bevölkerung aus) leiden darunter – und das sollte natürlich keinesfalls kleingeredet werden. Die nach wie vor grassierende Doppelmoral ist ein weiteres Problem:

Während sexuell aktive Männer historisch mit vergleichsweise neutralen oder gar bewundernden Begriffen wie Donjuanismus belegt wurden, trug die Bezeichnung Nymphomanie für Frauen von Beginn an den Beigeschmack des Pathologischen – der „Mannstollheit", der „Mutterwuth", des weiblichen Wahnsinns. Diese sprachliche Ungleichbehandlung spiegelt ein bis heute nachwirkendes Machtgefälle wider.
 
Doch es gibt auch eine begrüßenswerte Entwicklung: Heute stehen für Betroffene jedweden Geschlechts verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung. 

  • Die kognitive Verhaltenstherapie,
  • psychodynamische Verfahren,
  • Pharmakotherapie 
  • sowie Selbsthilfegruppen

sind dafür einige typische Beispiele.
 

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