Der Begriff Fernerziehung im BDSM beschreibt eine Form der Kontrolle, bei der ein dominanter Part submissive Personen nach gemeinsamer Absprache aus der Distanz führt, diszipliniert oder bestraft. Die Grundlage bilden klare Absprachen, Regeln und Aufgaben, die sich oft mit psychologischen Reizen und technischen Hilfsmitteln wie ferngesteuerten Sextoys oder Videoüberwachung verbinden lassen. Dabei kommen unter anderem ferngesteuerte Sextoys, Videoüberwachung, Sprachanweisungen oder Aufgabenpläne zum Einsatz, um trotz räumlicher Trennung ein prickelndes D/s-Spiel mit Kontrolle und Lust zu erzeugen. Das Zusammenspiel aus Macht, Disziplin und Vertrauen macht die Fernerziehung für viele zu einem besonders reizvollen Bestandteil einer BDSM-Dynamik – sei es als Langzeitspiel, in Fernbeziehungen oder beim Online-Domming.
Fernerziehung im BDSM: Ablauf, Regeln und Methoden
Im Prinzip funktioniert die Fernerziehung ähnlich wie eine andere BDSM-Beziehung auch. Zunächst klären die Beteiligten ab, welche Schwerpunkte sie setzen wollen.
- Welche Aspekte von Bondage, D/s und SM sollen im Mittelpunkt stehen?
- Welche Praktiken bieten sich dafür an – und sind in der „Selbstanwendung“ auch tatsächlich sicher genug?
- Was sind Must-haves und No-Gos?
Eine aufrichtige und empathische Kommunikation ist dabei von besonderer Bedeutung, zumal später
besondere Disziplin gefragt ist, um den nicht (oder nur sehr eingeschränkten) persönlichen Kontakt auszugleichen.
Dafür kann das Stellen und Kontrollieren von Aufgaben, deren Erfüllung der Bottom auf eine bestimmte Weise erfüllen muss, besonders reizvoll sein. Das
BDSM-Aufgabenfeld ist dabei so bunt und kreativ, wie es der Top und der Bottom selbst sind. Infrage kommen können dafür unter anderem
| das Erledigen von Hausarbeiten in bestimmten Outfits |
Selbstzüchtigungen |
Tease-and-Denial in Kombination mit ferngesteuerten Sextoys |
| Wachsspiele |
ein frivoles (Solo-) Ausgehen – ebenfalls gern mit Sextoys kombiniert |
Keuschhaltung |
Und wenn man doch noch (externe) Ideen benötigt, kann man sich diese auch in erotischen Foren wie
Amateurpin, dem JOYclub oder Fetisch holen.
Die Dokumentation der Vorgänge erfolgt dabei dann über das Aufzeichnen von Videos, Bildern und/oder Tonaufnahmen. Dabei ist es einerseits denkbar, dass der Top „nur“ die Aufzeichnung ansieht oder -hört und auswertet. Alternativ kann er sich natürlich auch
live zuschalten lassen und bestimmte Anordnungen durchgeben.
In jedem Fall muss der Bottom viel Selbstdisziplin bei der Fernerziehung mitbringen. Was schon allein daran liegt, dass er sich aufgrund des räumlichen Abstands zum Top bei Bedarf ja aktiv in dessen Sinne selbst bestrafen muss.
Wer profitiert von ihr und worauf muss man achten?
Eine Erziehung über die räumliche Distanz ist für verschiedene Personen aus unterschiedlichen Gründen interessant. Paare nutzen sie als zusätzlichen Bestandteil ihrer
Fernbeziehung, um auch in Zeiten des Sich-nicht-Sehens gemeinsam BDSM miteinander zu (er-)leben.
Doch auch Solo-Person, die vielleicht (noch) kein Domina-Studio persönlich besuchen möchten oder es nicht können, haben so ebenfalls die Möglichkeit, bestimmte Vorlieben dennoch auszuleben und beispielsweise beim Sexcamchat ihre Eindrücke bezüglich der Fernerziehung zu vertiefen.
Und natürlich gibt es auch noch weitere Faktoren, weshalb die Online-Fernerziehung beim individuellen BDSM (auch
in Kombination mit Soft Dominance) eine Rolle spielen kann.
Ohnehin braucht es aber, wie bereits angesprochen,
- eine klare Kommunikation,
- eine genaue Kenntnis über die anzuwendenden Praktiken und die damit verbundenen Sicherheitsaspekte,
- ein Safeword und/oder ein anderweitiges Abbruchzeichen sowie
- gegenseitiges Vertrauen und
- einen klaren Schutz der miteinander geteilten Aufnahmen und anderweitigen Daten.