Fünfzig Prozent ohne, achtzig Prozent mit: Kaum ein Gerücht hält sich hartnäckiger als die Behauptung, Frauen hätten beim Sex allein durch das Tragen von Socken eine deutlich höhere Chance auf einen Orgasmus. Doch ein etwas genauerer Blick zeigt, dass an dieser Erzählung kaum etwas dran ist. Zwar spielten Socken im oft thematisierten Groninger Labor tatsächlich eine nicht unwichtige Rolle, jedoch nicht als Orgasmus-Booster. Stattdessen waren sie einfach eine probate Lösung gegen kalte Füße, denn für die Durchführung eines Tests mussten Probandinnen eine gewisse Zeit ruhig liegend in einem speziellen Scanner verbringen.
Die Studie drehte sich nicht um Socken beim Sex, …
…sondern untersuchte, was bei sexueller Stimulation und Orgasmus im Gehirn passiert. Um die Aktivitäten der verschiedenen Gehirnregionen zu erkennen, setzte das Team um den Neurowissenschaftler Gert Holstege auf bildgebende Verfahren.
Der Versuchsaufbau war allerdings weder erotisch noch romantisch: Die Teilnehmerinnen lagen in einer engen Röhre und wurden sexuell stimuliert, durften sich allerdings kaum bewegen. Schon diese Situation hätte für viele Menschen eine komplett lustkillende Wirkung. Licht, unangenehme Geräusche und das Wissen, aus dem Nebenraum von einem kompletten Forschungsteam beobachtet zu werden, taten ein Übriges. Wenigstens gegen kalte Füße gab es ein probates Mittel – und so wurden die Socken zu einem durchaus relevanten Element der Testreihe.
Doch wie entstand das hier angesprochene Gerücht? Der Studienleiter selbst war an dessen Entstehung mitverantwortlich: Wie Holstege Journalisten gegenüber berichtete, erreichten anfangs rund die Hälfte aller Teilnehmerinnen einen Höhepunkt. Nachdem man die Bedingungen unter anderem durch die Fußbekleidung verbessert hatte, fühlten sich die teilnehmenden Frauen entsprechend wohler, sodass die Orgasmus-Quote auf achtzig Prozent anstieg. Aus dieser Bemerkung entwickelte sich jedoch in kurzer Zeit ein vermeintlicher Sex-Tipp. Nur leider ist ein solcher Rückschluss wissenschaftlich nicht haltbar.
Zwölf Frauen, vier Zustände, aber kein Socken-Test
Hierfür lohnt sich ein genauer Blick auf die Details. Untersucht wurden zwölf gesunde Frauen in vier klar definierten Zuständen: in Ruhe, während sexueller Stimulation, während eines vorgetäuschten und bei einem echten Orgasmus.
Dabei maß man stets die regionale Durchblutung des Gehirns. Socken waren für den Versuchsaufbau selbst nicht maßgeblich, auch wenn sie von einigen Teilnehmerinnen getragen wurden: Man unterteilte die Probandinnen nicht in barfuß und sockentragend und maß auch nicht die jeweilige Fußtemperatur. Auch hat niemand die Fragestellung isoliert, welchen Anteil die
Socken an der Orgasmus-Quote hatten oder ob diese möglicherweise auf die Gewöhnung an den Scanner, eine entspanntere Atmosphäre oder den einfühlsameren Umgang des Teams mit den Teilnehmerinnen zurückzuführen war. Doch genau eine solche Differenzierung wäre notwendig, um von einem tatsächlich messbaren Effekt sprechen zu können.
Gert Holstege selbst stellte es Jahre später klar: Die Vorstellung, Socken würden die Wahrscheinlichkeit eines Orgasmus erhöhen, stamme aus keiner wissenschaftlichen Veröffentlichung. Einige teilnehmende Frauen hätten sich schlicht und ergreifend über kalte Füße beschwert, mehr nicht.
Man kann hier also festhalten: Tatsächlich haben im späteren Verlauf der Testreihe deutlich mehr Frauen einen Orgasmus erlebt. Maßgeblich dafür war jedoch ein insgesamt verbesserter Komfort – und die nun warmen Füße waren dabei ein Detail unter mehreren.
Warme Füße = heiße Gedanken? Der Zusammenhang folgt weiterhin einer gewissen Logik
Die Schlagzeile dazu lässt sich also entkräften, trotzdem sind kalte Füße natürlich alles andere als lustfördernd. Vielmehr sorgen sie dafür, dass man der sexuellen Lust weniger Aufmerksamkeit schenkt. Dieses Problem lässt sich durch das Anziehen von Socken glücklicherweise sekundenschnell beseitigen – und wer sich endlich wohler und wärmer fühlt, kann sich auch leichter fallen lassen. In diesem Szenario käme trotzdem niemand auf die Idee, die plötzliche Luststeigerung direkt mit den getragenen Socken zu verknüpfen. Mit einer Decke, einer Heizung oder einer Wärmflasche ließe sich der Effekt aber auch mit weiterhin nackten Füßen erzielen.
Und was ist mit der Behauptung, Socken würden die Durchblutung der Geschlechtsorgane verbessern und so häufiger zum Höhepunkt führen? Hierzu fehlt jede belastbare Grundlage. Dennoch klingt die Behauptung offenbar plausibel genug, um als Legende weiterhin verbreitet zu werden.
Sind Socken Sexbooster oder Lustkiller?
Diese Frage lässt sich am besten mit einer klassischen Phrase beantworten: Es kommt darauf an. Denn Vorlieben sind verschieden – und beim Sex gibt es schließlich keine vorgeschriebene Kleiderordnung. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die unterschiedlichen Fraktionen.
- Die Puristen befreien sich vor dem Liebesspiel allein oder gegenseitig komplett von sämtlicher Kleidung, selbstverständlich inklusive der Socken.
- Die Pragmatiker schenken diesem Detail keine besondere Aufmerksamkeit: Solange man sich wohlfühlt und Lust aufeinander hat, spielt es keine Rolle, ob die Füße nackt oder noch bekleidet sind.
- Die Fetischisten wiederum erklären die Fußbekleidung zum erotischen Objekt. Dabei gilt es allerdings zu differenzieren: Kaum jemand hat ein Faible für jede Form der textilen Fußbekleidung, doch viele Menschen können sich beispielsweise für Overknees, Sportsocken oder Sneaker-Söckchen begeistern. Neben der Optik können dabei auch Haptik und Geruch eine wichtige Rolle spielen.
Und dann gibt es natürlich noch die große Fraktion der „Mal so, mal so“-Menschen. Was im Alltag völlig nebensächlich ist, kann beim Sex plötzlich Teil des persönlichen Looks oder sogar der erotischen Inszenierung werden. Ob nackte Füße, weiße Sportsocken oder eine andere Fußbekleidung besser passen, darf deshalb ganz nach Lust und Laune entschieden werden.
Socken im Porno: Detail mit Signalwirkung oder Nebensache?
Auch im Sexfilm kann man sprichwörtlich kalte Füße bekommen – und auch hier ist es durchaus von Bedeutung, ob die Models sich am Set wirklich wohlfühlen. Trotzdem kann man fast immer davon ausgehen: Wenn in einer Szene
(Fein-) Strümpfe zu sehen sind, hat jemand bewusst eine Entscheidung getroffen. Meistens jedoch nicht aufseiten der Darsteller, sondern von den Leuten hinter der Kamera: Stoff neben nackter Haut erzeugt Kontrast, der den Blick lenkt.
Wenn alles nahezu gleich aussieht, bleibt das Auge nirgends hängen, während ein weißes Söckchen an einem sonst unbekleideten Körper wie ein optischer Anker wirken kann. Aber es gibt noch einen zweiten, handfesteren Grund: Socken markieren ein Porno-Genre mit einigen Unterkategorien.
| Genre |
Funktion der Socken |
|
|
| Foot Fetish |
kein Beiwerk, sondern Teil des eigentlichen Hauptmotivs |
| Amateur / Homemade |
können die gewünschte ungestellte Alltagsnähe unterstreichen |
| Cosplay |
Kniestrümpfe und Overknees sind bei vielen Figuren fester Bestandteil von Kostüm und Styling |
| Teen 18+ (volljährige Darsteller) |
hier dienen kurze Söckchen gern als Element eines bewusst jugendlichen Stylings |
| Fetisch-Nischen, beispielsweise Sportswear-, Schuh- oder Sockenfetisch |
Material, Farbe, Passform oder Tragedauer können zum eigentlichen Bestandteil des Fetischs werden |
Und wo und wie findet man Socken-Content?
Große Tubes und Verzeichnisse haben auch für diese Nische einiges zu bieten.
ThePornDude mit seinen zahlreichen gelisteten Seiten kann daher ein guter Ausgangspunkt für alle sein, die sich für textile Fußbekleidung interessieren. Das Angebot reicht von Mainstream-Tubes über Bilderarchive hin zu spezialisierten Fetisch-Angeboten.
Nach einer eigenen Socken-Kategorie sucht man dort allerdings meist vergeblich. Fündig wird man eher über Begriffe wie
Foot Fetish,
Cosplay, Stockings oder
Amateur. Wer einmal eine passende Plattform und die richtige Kategorie gefunden hat, kann sich diese für die nächste Suche merken – das spart später einiges an Stöberarbeit.
Bei
geschriebener Erotik kann die Suche dagegen etwas länger dauern. Anders als bei vielen Pornoseiten wird sie häufig nicht über spezielle Tags oder Kategorien für einzelne Kleidungsstücke erschlossen.
Beim Camsex spielen Socken eine tragende wie zeigende Rolle
Camsex hat gegenüber klassischem Porno einen entscheidenden Unterschied: Die Szene ist nicht fertig produziert, vielmehr entsteht die
Erotik in Echtzeit. Zuschauer können mit den Models interagieren, Wünsche äußern und damit unter Umständen auch Einfluss auf die Inszenierung nehmen. Kleidung wird dadurch zu mehr als einem bloßen Styling-Element. Ein Paar Socken etwa kann einfach angezogen bleiben – oder bewusst gezeigt, gewechselt oder ausgezogen werden, wenn genau das zum gemeinsamen Spiel gehört.
Manche Camsex-Models zeigen sich von Anfang an weitgehend unbekleidet, andere lassen sich mit dem Ausziehen Zeit, und vielleicht dauert es eine ganze Weile, bis sich beispielsweise ein
live agierendes Pärchen komplett entblättert hat. Overknees, High Heels oder eben Socken können dabei bewusst am Körper bleiben und dadurch umso stärker ins Auge fallen.
Gerade wenn Zuschauer konkrete Wünsche äußern, wird Kleidung schnell zum Teil des Rollenspiels. Ein bestimmtes Paar Socken kann dabei ebenso zum gewünschten Look gehören wie ein komplettes Kostüm. Vor der Webcam muss die gewählte Kleidung allerdings nicht nur erotisch wirken, sondern auch auf kleinem Bildschirm und unter komprimierter Bildqualität schnell erkennbar sein.
Socken, Kostüme und Rollenbilder vor der Webcam
Deshalb setzen viele Rollenspiele auf Kleidungsstücke, die eine Figur schon auf den ersten Blick erkennbar machen. Socken und andere Beinbekleidung können dabei die Silhouette verändern und einen bestimmten Look vervollständigen. Beispiele dafür gibt es zahlreiche:
- Schulmädchen: Kniestrümpfe gehören häufig zum gewünschten Look.
- Sekretärin, Lehrerin oder Chefin: Strumpfhosen oder andere Beinbekleidung können eine lustvoll-geheimnisvolle Strenge unterstreichen.
- Sport und Cheerleading: Tennissocken, Sportsocken oder Stulpen vervollständigen das Outfit.
- Cosplay und Anime: Kniestrümpfe und Overknees sind bei vielen Figuren fester Bestandteil des Stylings.
Ob die Socken im Laufe des Spiels ausgezogen werden oder bis zum Schluss am Körper bleiben, hängt von den persönlichen Vorlieben und der jeweiligen Absprache ab. Gerade bei einem ausgeprägten Fetisch kann das An- oder Ausziehen selbst Teil der Inszenierung sein.
Je nach Neigung stehen die bekleideten Füße dabei nicht am Rand, sondern im Zentrum der Aufmerksamkeit. Zuschauer können Wünsche zu Farbe, Material oder Länge äußern oder danach fragen, ob bestimmte Socken getragen werden können. Was im Schlafzimmer ein beiläufiges Kleidungsdetail wäre, wird vor der Kamera damit zum angekündigten und bewusst inszenierten Bestandteil des Spiels.
Und damit schließt sich der Kreis zum Ausgangspunkt: Im Labor waren Socken ein Mittel gegen kalte Füße. Im Porno können sie zum visuellen Stilmittel werden – und beim Camsex sogar zum interaktiven Bestandteil der Inszenierung. Kann man(n) mal sehen …
Und wenn euch andere Modelle als Socken locken?
Ihr habt beim Thema Socken gemerkt, dass ihr euch (auch) für andere erotische Beinbekleidung interessiert? Dann findet ihr bei Lexisex freilich auch noch einige weiterführende Lesetipps. Wenn ihr also lieber etwas mehr Bein zeigt oder den klassischen Strumpf-Look bevorzugt, könnt ihr euch dort auch noch sehr gern umsehen.
Clever? Von informativen Beiträgen über erotische Kleidung hin zu Produkttests und erotischen Storys ist für unterschiedliche Faibles immer etwas dabei. Zum Beispiel:
Aber jetzt mal ehrlich: Socken beim Sex – anbehalten, ausziehen oder ganz bewusst in Szene setzen? Am Ende entscheidet schließlich nicht die Studie, sondern das, was allen Beteiligten gefällt. Bei uns fallen Socken, Nylonstrümpfe dürfen anbleiben. Doch wie seht ihr das? Berichtet uns doch einmal von euren Erfahrungen und Faibles und lasst uns einen Kommentar dazu da, was euch bei der Sockenfrage am meisten bewegt!