Engel, Teufel – oder beides? Bottoms im BDSM können ganz unterschiedlich auftreten, von hingebungsvollen Servants bis zu renitenten Brats sind alle dabei. Eine feste Vorstellung davon, wie submissiv ein Bottom sein muss, gibt es deshalb nicht. Schließlich ist BDSM keine „schwarz-rote Bibel“, in der für jede Rolle ein bestimmtes Verhalten vorgeschrieben wird. Auch Tops haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was sie an einem Bottom schätzen – manche mögen viel Hingabe und klare Unterordnung, andere freuen sich über Eigeninitiative, Widerworte oder spielerische Gegenwehr. Und egal, ob klassische Subs, Brats, Pets, Littles oder Rope-Bottoms – letztlich kommt es darauf an, dass die individuellen Grenzen, Erwartungen und erotischen Vorlieben zueinander passen. Einvernehmlichkeit natürlich immer vorausgesetzt.
Also Butter bei die Fische: Was wünschen sich Tops von ihren Bottoms?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Was ein Top von einem Bottom erwartet, hängt stark von der jeweiligen BDSM-Dynamik, den persönlichen Vorlieben und den gemeinsam vereinbarten Grenzen ab. Trotzdem tauchen bestimmte Wünsche immer wieder auf.
Manche Tops schätzen es, wenn ein Bottom
- durch sein Verhalten und seine Optik zeigen möchte, dass er seinem Top gefallen will,
- dessen Wünsche und Anweisungen ernst nimmt und innerhalb der vereinbarten Dynamik auch eigenständig mitdenkt und handelt,
- sich in bestimmten Bereichen führen, anleiten oder auch disziplinieren lässt.
Wie weit diese Form der Unterordnung geht, ist allerdings höchst unterschiedlich. Für manche gehört dazu, einen großen Teil der Kontrolle abzugeben. Andere wünschen sich einen Bottom, der zwar grundsätzlich folgt, aber durchaus eigene Impulse einbringt oder auch einmal Widerworte gibt.
Klassisch devote Subs, die sich ihrem Top weitgehend anvertrauen, auf dessen Wünsche aufmerksam eingehen und die Führung gerne abgeben, sind deshalb nur eine mögliche Form von Bottom-Dynamik. Auch andere Spielarten können für Tops ausgesprochen reizvoll sein.
Gerade bei eher dominant auftretenden Tops kann das Machtgefälle einen wichtigen Teil der gemeinsamen Dynamik ausmachen. Dabei kommt es jedoch darauf an, welche Form von Führung, Kontrolle und Devotion beide Seiten ganz konkret miteinander vereinbaren.
Und damit sind wir bei einer Frage, an der sich die Geister im BDSM durchaus scheiden können: Sind Brats eigentlich Subs? Schließlich gehört eine gewisse Renitenz bei ihnen gerade zum Spiel. Viele Brats verstehen sich zumindest als Bottoms – ob sie zusätzlich die Bezeichnung „Sub“ für sich verwenden, ist dagegen eine Frage der eigenen Definition.
Eins lässt sich aber festhalten ...
Für jeden Top der passende Bottom: Submissivität, Devotion und Rollenvielfalt
Denn Tops haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie submissiv ein Bottom sein sollte.
- Die einen wünschen sich ein möglichst unterwürfiges Gegenüber, das ihnen innerhalb der vereinbarten Dynamik weitgehend die Führung und Kontrolle überlässt. Stichwort Metakonsens.
- Andere freuen sich dagegen über eine gewisse Gegenwehr und möchten vielleicht gar nicht so viel mit einem passiven Bottom anfangen. Auch sadomasochistische Elemente, wie sie beispielsweise im BDSM-Porn vorkommen, können dabei eine Rolle spielen.
Wer hat nun mit seiner Vorstellung davon recht, wie ein Bottom sein sollte? Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass die Vorstellungen beider Seiten zusammenpassen und die jeweilige Dynamik einvernehmlich vereinbart wird. Oder etwas salopper gesagt: Die passenden Töpfe und Deckel müssen sich finden.
Und nicht umsonst finden sich ganz unterschiedliche Kombinationen wie diese:
Dabei sind die Grenzen keineswegs starr. Ein Rope-Top kann beispielsweise auch mit einem Sub, der Fesselungen mag, eine passende Dynamik entwickeln. Ebenso können Brats und Sadisten miteinander auf ihre Kosten kommen, wenn ihre Vorstellungen von Führung, Gegenwehr und Spiel zusammenpassen.
Somit sind vorrangig die eigenen Wünsche, Grenzen und Erwartungen sowie eine
offene Absprache darüber, was beide Seiten miteinander erleben möchten, relevant. Faule Kompromisse sind schließlich gerade dann keine gute Idee, wenn es um persönliche Grenzen und BDSM-Dynamiken geht.
Und wer sich selbst gar nicht so genau in eine bestimmte Schublade einordnen möchte, darf das natürlich ebenfalls. Solange das potenziell
erotisch-sexuell interessierte Gegenüber weiß, worauf es sich inhaltlich einlässt und welche Vorstellungen, Grenzen und Wünsche im Raum stehen, muss schließlich nicht jeder Mensch ein perfekt etikettiertes BDSM-Päckchen sein.
Was Tops an Bottoms schätzen: Vertrauen, Initiative und Hingabe
Was Tops an ihren Bottoms schätzen, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Häufig geht es dabei um eine Mischung aus Vertrauen, Führung und der Bereitschaft, sich auf die gemeinsame Dynamik einzulassen. Manche Tops genießen es,
- ein individuell passendes Maß an psychischer und/oder körperlicher Kontrolle auszuüben,
- die gemeinsame erotische oder sexuelle Dynamik aktiv mitzugestalten,
- die Führung zu übernehmen und Verantwortung für das gemeinsame Spiel zu tragen,
Dabei suchen Tops nicht zwangsläufig einen Bottom, der einfach nur sämtliche Wünsche erfüllt. Vielmehr kann gerade die aktive Mitwirkung des Gegenübers einen Teil des Reizes ausmachen.
Das kann bedeuten, aufmerksam auf die Wünsche des Tops einzugehen, eigene Ideen einzubringen oder sich bewusst auf eine bestimmte Form von Führung, Unterordnung oder Disziplinierung einzulassen. Wie viel Eigeninitiative dabei erwünscht ist, hängt wiederum von der jeweiligen Dynamik ab. Auch beim
Camsex können solche unterschiedlichen Rollen und Formen von Führung interessant werden.
Wichtig dabei? Auch wenn ein Bottom innerhalb einer BDSM-Dynamik gerne einen Teil oder sogar sehr viel Kontrolle abgibt, verschwinden dadurch weder die eigenen Grenzen noch die eigene Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit.
BDSM funktioniert nicht dadurch, dass ein Bottom seinen Kopf an der Garderobe abgibt. Gerade bei intensiveren Dynamiken müssen Wünsche, Grenzen und Regeln vorher geklärt und während des Spiels berücksichtigt werden.
Je nach persönlichen Vorlieben können dabei ganz unterschiedliche Bereiche eine Rolle spielen:
| Macht und Kontrolle |
Präsentation und Öffentlichkeit |
körperliche Praktiken |
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| Machtgefälle – Kontrollverlust – Gehorsamkeitstraining – Bestrafung/Belohnung – Disziplinierung – 24/7-Dynamics – Machtwechsel (Switching) |
Vorführung – Voyeurismus/Exhibitionismus – Objektifizierung |
Fesselspiele – Bondage / Shibari – Schlagspiele (Impact Play) – Breathplay (Atemkontrolle)—Sensory Deprivation (Sinnesentzug) |
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| psychologisch und emotional wirkende Praktiken |
Rollenspiele und Identität |
spezialisierte Praktiken |
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| Erniedrigung – Keuschhaltung – Orgasmuskontrolle |
Role Play – Pet Play |
Kliniksex – Edgeplay |
Nicht jede dieser Praktiken passt zu jedem Top oder Bottom, und insbesondere bei intensiven oder risikoreichen Spielarten sind klare Absprachen und einvernehmliche Grenzen besonders wichtig. Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viele BDSM-Praktiken abzuhaken, sondern eine Dynamik zu finden, mit der sich beide Seiten wohlfühlen.
Schließlich können auch bestimmte
kontraproduktive Verhaltensweisen von Bottoms eine BDSM-Dynamik belasten. Vertrauen und Hingabe funktionieren schließlich nur dann dauerhaft, wenn beide Seiten die gemeinsame Vereinbarung ernst nehmen.
Und ihr? Habt ihr bereits Top-Bottom-Erfahrungen im BDSM gemacht?
Welche Dynamiken, Rituale oder Tipps haben euch geholfen, Vertrauen, Devotion und Sicherheit zu erleben? Teilt eure Beobachtungen, Szenen-Taktiken oder Aftercare-Routinen mit uns, wir sind gespannt!