Eine überzeugende Figurenkonstellation, Spannung, einen roten Faden, sinnliche Sprache, ansatzweise glaubwürdige Motivationen, vielleicht noch eine hübsche, also scharfe Dramaturgie – all das hatte meine erste Sexgeschichte … nicht. Das war schon hart, Mann. Eigentlich hatte ich mir das anders vorgestellt, aber ich musste zugeben, dass meine Kompetenzen im Hinblick auf erotische Ergüsse nicht sofort soweit reichten, wie ich mir das wünschte. Normalerweise setze ich mich hin, denke ein bisschen nach, baue mir ein Skelett und es läuft. In meiner ersten erotischen Story lief beim ersten Versuch noch nicht ganz so viel, jedenfalls nicht flüssig. Wobei es mir nicht an Ideen fürs Selber-Schreiben mangelte, ganz im Gegenteil. Doch mit gutem Willen un dem richtigen Kniff wurde dann doch etwas aus dem Projekt.
Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Selbst ist die Frau!
Meinen ersten Kontakt mit erotischen Geschichten hatte ich als junge Frau in einem Forum, dessen Namen ich nicht mehr weiß. Ich war überrascht, was Leute so alles für Ideen hatten und wie groß die sprachliche Bandbreite war. Von butterzart bis knüppelhart war alles dabei.
Dann kam die Uni mit der französischen Libertinage und
Justine vom Marquis de Sade, von der ich einen (in dem Fall eher dezenten) Abschnitt direkt im Hörsaal live und in Farbe erklärt bekam. Aber so eine Buchbeschaffung aus „rein wissenschaftlichen Gründen“ ist ja kein Problem und wo ich schon dabei war, hängte ich auch
Geschichte der O von Pauline Réage noch gleich mit dran. Es lief und es tat sich etwas in meinem Bücherschrank und in meiner Sexgeschichten-Welt.
Insofern dachte ich dann auch, als die Idee für den LexiSex-Blog und selbstverfasste XXX-Storys kam: „Na, das kann ja nicht so das Ding sein, es soll ja keine wissenschaftliche Abhandlung werden. Und ein paar kreative Ergüsse, für die fällt mir schon etwas ein.“
Aber natürlich wollte ich auch keine Ideen, geschweige denn ganze Texte von anderen Plattformen wie dem
Sexgeschichten-Archiv klauen, auf denen es ja schon so einige scharfe Inhalte zu lesen gibt. Selbstgemacht ist ja schließlich doch am geilsten, nicht nur bei Pornos. Damit setzte ich mich an den Schreibtisch, spitzte Stift, Tastatur und Libido – und saß dann erst einmal doch etwas verblüfft-ernüchtert vor einem weißen Blatt. Denn …
Sexgeschichten selber schreiben – der Teufel steckt im verfickten Detail
… nachdem ich mir so ein paar Gedanken über den
Kick vom fiktiven Fick gemacht hatte, stellte ich fest, dass ich eigentlich gar keine Ahnung davon hatte, was andere Menschen eigentlich gern in erotischer Hinsicht lesen wollen. Oder wie man die Sprache dabei überhaupt gestalten sollte. Dirty Talk beim Kuschelsex? Oder gestochen-scharfe Anrede bei der Schlossparty-Gruppenorgie mit D/s-Anteil? Oder quer durchs Beet?
Stan lachte mich aus, natürlich. Man müsste das ja nicht komplizierter machen als es sei, schließlich seien
Sexgeschichten für die scharfe Erbauung gedacht und müssten nicht nach einem literarischen Plan von Hartmann von Aue und Co. ersonnen werden. Leider hatte er recht, leider half mir das überhaupt nicht. Ich steckte nämlich immer noch nicht handtief im knackigen Arsch eines attraktiven Protagonisten, sondern in der Frage nach Präsens oder Imperfekt fest. Da fuck!
Trotzdem nahm ich mir ein Herz (und eine Tastatur) und schaffte es irgendwie, meine erste hiesige Sexgeschichte
Der Tittenfick im Büro zu schreiben. Es dauerte auch wirklich eine ganze Weile. Nicht, weil ich keine Idee hatte. Das ging dank Loriot, einiger meiner geliebten Porno-Comics und einiger sinnvoll-ergänzender Keywords recht schnell.
Es war vielmehr die Mischung aus Derbheit, brauchbarer Handlung und Wortwitz, die mir einiges abverlangtes. Indes: Als der erste Teil fertig war, ging mir für alle späteren XXX-Geschichten ein kleines, aber feines Fortsetzungslicht auf, auch was weitere Inhalte betraf …
Und wie löse ich das Problemchen? Vielleicht mit einem Netzwerkchen!
Ich musste ja gar nicht die Sexfachabteilung der Bibliothek von Alexandria an einem Tag auffüllen. Vielmehr reichte es,
Cleopatra für Caesar aus einem roten Teppich auszurollen und dann erst einmal eine Werbepause einzulegen (ganz platt gesagt). Schließlich konnten ja auch im Laufe der Zeit viele Figuren neu dazukommen. Oder Sexpraktiken. Oder Orte. Oder erotische Dynamiken …. hahahaha …. eigentlich war das ja viel besser (nicht direkt einfacher, aber spannender) als ich erst gedacht hatte.
Vor meinem inneren Auge entstand im Laufe der Zeit ein ganzes Universum:
… und sie alle stolperten immer ganz zufälligerweise“ in heiße Begegnungen der literarischen Art, wenn ich zusammen mit Stan gerade ein bestimmtes redaktionelles Thema bearbeiten wollte.
In der Hinsicht profitier(t)e ich massiv von seinem Ansatz „Erstmal was aufs Papier bringen und schauen, was es ist, dann sieht man es schon“. Es ist gut, dass er da so praktisch ist. Außerdem kennt er sich mit vielen erotischen Aspekten viel besser aus als ich, was gerade unseren
BDSM Sexgeschichten oft noch deutlich mehr Tiefgang verleiht.
Aber welche Figur mal mit welcher anderen auf der Matte war … das ist dann wieder ein Fall für das Archiv von Frau M. aus S.. Denn die kennt da fast alles und jeden. Und wenn nicht, weiß sie, wo sie nachschauen muss.
Fazit? Eine Sexgeschichte kommt selten allein
Offen gesagt finde ich (finden wir) das auch eine viel bessere Idee. Immerhin hat es die eine oder andere Figur ja auch wirklich verdient, noch ein zweites oder drittes Mal auf die Hörner genommen zu werden. Außerdem müssen wir für unseren Teil zugeben, dass wir viele
sinnliche Storys lieber in Etappen als in ganz großen Zyklen am Stück lesen (oder zuweilen auch hören).
Ein gutes Beispiel dafür, dass das auch jemand anderes recht geschickt macht, ist eine Geschichte aus dem von uns bereits in einer Review betrachteten Sexgeschichtenarchiv, die bereits über 100 Fortsetzungen ihr Eigen nennt.
Warum auch nicht, wenn die Handlung genug spritzigen Stoff in mannigfaltigen Ausführungen mitbringt und den Geschmack der Leserinnen und Leser trifft? Na gut, ganz so viele Fortsetzungen haben unsere Geschichten noch nicht …. aber was nicht ist, kann ja noch werden. In diesem Sinne: Keep reading – and keep writing!
Und wie ist es bei euch mit der Tinte auf dem Füller?
- Habt ihr selbst schon einmal Sexgeschichten geschrieben – oder lest ihr lieber nur?
- Schreibt ihr solche Geschichten ausschließlich für euch selbst, für andere oder sogar gemeinsam mit anderen?
- Und wo findet ihr gute Sexgeschichten, die euch auf eigene Ideen bringen?
Erzählt doch einmal, wie um eure
Vorlieben bei erotischen Geschichten bestellt ist, und schreibt uns den einen oder anderen Kommentar dazu. Und wer weiß, vielleicht ist ja sogar Stoff für eine Community-eigene XXX-Story dabei? Wir würden uns freuen!