Manchmal bleibt aus einem Porno nicht die ganze Szene im Kopf, sondern nur ein einzelner Moment. Ein bestimmter Blick, eine ungewöhnliche Situation, eine Rollenverteilung oder die Vorstellung davon, wie es wäre, selbst Teil dieser Situation zu sein. Ähnliches kann beim Lesen einer Sexgeschichte passieren: Zwischen den beschriebenen Zeilen entsteht im eigenen Kopf eine ganz persönliche Version des Geschehens. Gerade Blowjob-Fantasien können auf diese Weise zustandekommen. Eine heiße Nummer liefert den Anstoß, das eigene Kopfkino macht daraus etwas Neues. Und ab und an führt dieser gedankliche Weg irgendwann zu der Frage, wie sich eine solche Fantasie eigentlich anfühlen würde, wenn sie nicht nur auf dem Bildschirm oder im Kopf existiert, sondern in einem Live-Kontext einen eigenen Dreh bekommt …
Wie ein Blowjob-Moment das Kopfkino startet
Eine Blowjob-Szene
aus einem Porno oder einer Sexgeschichte kann aus ganz unterschiedlichen Gründen im Gedächtnis bleiben. Manchmal ist es die dargestellte Person, manchmal eine bestimmte Konstellation oder Rollenverteilung. Ebenso können die Perspektive, die Atmosphäre oder die Spannung zwischen den beteiligten Personen den Clou ausmachen.
Es braucht also nicht unbedingt die sexuelle Handlung selbst zu sein, die den Kern der Fantasie bildet. (Wobei auch dieser Gedanke durchaus seinen Charme haben kann!) Oft ist es eher die Vorstellung,
- wer gerade wen beobachtet,
- welche Rolle die einzelnen Personen einnehmen
- oder wie sich eine bestimmte Situation und/oder Stimulation anfühlen könnte,
die deutlich stärker als die eigentliche (Blowjob-)Handlung nachwirkt.
Und exakt das ist die Stelle am Übergang vom gesehenen oder gelesenen Inhalt zum persönlichen Kopfkino, bei dem es „Bühne frei!“ heißt. Denn auch, wenn die Szene den ersten Impuls liefert – es ist die eigene Vorstellungskraft, die über ihre anschließende Bedeutung entscheidet.
Porno vs. Sexgeschichte: So entstehen Blowjob-Fantasien im Kopfkino
Wobei, macht es eigentlich einen Unterschied für das Kopfkino, ob dieser Impuls aus einem Porno oder einer Sexgeschichte stammt? Ja, absolut – und zwar einen ganz Entscheidenden:
- Ein Porno arbeitet vor allem mit visuellen Informationen: Körper, Mimik, Bewegungen, Umgebung und Kameraperspektive sind bereits vorgegeben, wodurch ein festes Bild entsteht.
- Eine Sexgeschichte muss dagegen vieles beschreiben, ohne es vollständig zeigen zu können. Dadurch entstehen unterschiedliche gedankliche Freiräume für die eigene Fantasie.
Beide Formate können damit denselben Effekt auslösen, tun dies aber auf unterschiedlichen Wegen. Ein gutes Beispiel dafür, wie das im Einzelnen aussehen kann, zeigen die Blowjob-Szenen in einem Klassiker der Erotikliteratur, in Pauline Réages
Geschichte der O – und in Just Jaeckins dazugehöriger Filmadaption.
Blowjob-Rituale in Geschichte der O: Der Roman und der Erotikfilm im Vergleich
Beide greifen dieselbe Grundgeschichte und die Themen Devotion und Submission auf – doch das Medium verändert, wie die sexuellen Szenen wahrgenommen werden. Wie genau das funktioniert, haben wir einmal in der folgenden Tabelle für euch zusammengefasst:
| Aspekt |
Roman von Pauline Réage |
Erotikfilm von Just Jaeckin |
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| Rolle der Blowjobs |
ritualisierte Akte der Hingabe und Unterwerfung – Beweis von Os Gehorsam und Devotion |
choreografierte, stilisierte Rituale; ‚öffentliche‘ Bestätigung von Os Submission |
| Inszenierung |
literarisch, atmosphärisch, mit Fokus auf Os innere Perspektive und psychologische Wirkung |
visuell, ästhetisch, mit Fokus auf Körpersprache, Setting und männlichen Blick |
| Symbolik |
Mund als Symbol für Selbstaufgabe und Objektstatus – Oralsex als „stille“ Unterwerfung |
Lippen, Knien, Schweigen als visuelle Zeichen der Hingabe und Machtlosigkeit |
| D/s-Dynamik |
Machtwechsel, O gehorcht auf Befehl, innere Ambivalenz zwischen Lust und Aufgabe |
Dominanz durch Kameraperspektive, O als Objekt, Dominante als ‚Regisseure‘ |
| Ritualisierung |
strenge Regeln, Zeugen, wiederholte Akte, Os Lust ist nebensächlich |
zeremonielle Settings, Zuschauer, choreografierte Bewegungen, Fokus auf Ritual |
| Anregung der Fantasie |
Suggestion, Andeutung, Leser füllt Lücken mit eigenen Bildern und Gefühlen |
konkrete visuelle Vorgabe, voyeuristische Kamera, Fantasie durch Arrangement |
| subjektive Erfahrung |
tiefe Einblicke in Os Gedanken, Zweifel, Hingabe und Selbstauflösung |
äußere Darstellung, wenig Zugang zu Os Innenleben, Fokus auf visueller Darstellung |
Beim Blowjob zeigt sich damit ein grundlegender Unterschied zwischen beiden Medien:
- Réages Roman macht die sexuelle Handlung zu einem Bestandteil von Os Entwicklung: Entscheidend ist nicht nur, was sie tut, sondern welche Bedeutung diese Handlung innerhalb ihres Verhältnisses zu Devotion und Submission bekommt.
- Der Film kann diesen Zusammenhang nicht auf dieselbe Weise über innere Gedanken und sprachliche Nuancen vermitteln. Er übersetzt ihn deshalb stärker in Körper, Räume, Blicke und Inszenierung.
Dadurch wird die Blowjob-Szene im Roman stärker zur Vorlage für das eigene Kopfkino. Just Jaeckins Film dagegen liefert dem Zuschauer bereits eine konkrete visuelle Interpretation. Bleibt also die Frage, was man(n) selbst daraus macht …
Blowjob-Fantasien umsetzen: Vom Porno-Konsum zum eigenen Live-Erlebnis
Denn es kann sich auch etwas Entscheidendes verändern: Die ursprüngliche Vorlage tritt in den Hintergrund und die eigene Vorstellung rückt nach vorn. Aus „Das sehe ich mir gerne an“ wird vielleicht „Eine solche Situation würde mich selbst anmachen.“ Damit gehört die Fantasie nicht mehr ausschließlich zum Porno oder zur Geschichte, aus der sie entstanden ist.
Sie wird zu
einem persönlichen Szenario, das sich unabhängig von der ursprünglichen Vorlage weiterentwickeln kann. Eventuell verändert sich die Rollenverteilung. Ergänzend/alternativ entwickelt sich aus der beobachteten Perspektive heraus die Vorstellung, selbst aktiver Teil der Situation zu sein. Oder ein Detail, das im ursprünglichen Inhalt nur am Rand vorkam, wird im eigenen Kopf plötzlich zum wichtigsten Bestandteil.
Et voilà, er ist erreicht, der Punkt, an dem die interessante Verbindung zum Camsex entsteht: Die Sexidee hat bereits eine eigene Form angenommen, bevor sie überhaupt in einen Live-Kontext gelangt – und der macht dann noch einmal einen entscheidenden Unterschied.
Camsex-Blowjob: Was macht das Erlebnis so besonders?
Ein klassischer Porno präsentiert eine fertige Fantasie: Die Szene ist inszeniert, die Perspektive festgelegt, der Ablauf abgeschlossen. Beim Camsex entsteht dagegen ein
Erlebnis im Moment. Genau diese Unmittelbarkeit verändert auch den Umgang mit einer persönlichen Blowjob-Fantasie.
Eine Szene aus einem Porno oder einer Sexgeschichte muss deshalb nicht einfach nachgespielt werden. Sie kann lediglich den Ausgangspunkt bilden, aber wie sich diese Idee entwickelt, bleibt im Live-Kontext dagegen offener.
Hinzu kommen Interaktivität und Spontaneität. Wünsche und Reaktionen können in die Session einfließen, während unerwartete Momente die ursprüngliche Vorstellung verändern können. Aus der fertigen Szene wird dadurch ein offenes Szenario.
Der entscheidende Unterschied liegt somit nicht darin, dass Camsex eine Pornoszene „besser“ umsetzt. Er macht aus einer festgelegten Vorlage eine persönliche Live-Interpretation, die sich unmittelbar entwickeln und verändern kann. Beispielsweise in Bezug auf eine 2.0-Version von Geschichte der O.
Blowjob-Fantasien live erleben: die besten Kopfkino-Ideen
Wie wir schon angemerkt haben, bestehen Blowjob-Fantasien nicht nur aus einer bestimmten sexuellen Handlung. Oft steckt dahinter ein ganzes Szenario aus mehreren Bestandteilen. Praktisch, dass sich diese einzelnen Bausteine beim Camsex unterschiedlich aufgreifen und verändern lassen:
| Aspekt der Fantasie |
konkrete Ausgestaltung beim Camsex |
der Kick dabei |
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| Rollenverteilung |
Rollenspiele wie Chef und Sekretärin, Handwerker und Hausfrau, Krankenschwester und Patient oder Nachbarschaft |
das Macht- oder Beziehungsgefüge, das dadurch entsteht |
| beobachten und beobachtet werden |
Cam 2 Cam, gemeinsames Zuschauen als Paar oder bewusstes Zeigen und Verbergen bestimmter Körperpartien |
gleichzeitig Zuschauer und Teil der Situation zu sein oder die Aufmerksamkeit einer anderen Person auf sich zu spüren |
| D/s-Dynamik |
dominante oder devote Rollen, klare Vorgaben, Belohnung und Disziplinierung, Accessoires wie Halsbänder |
Blowjob als Ausdruck einer bestimmten Macht- und Rollenverteilung |
| mehrere Beteiligte |
Paare, Gruppen- oder Swinger-Szenarien sowie Blowbang-Formate |
Aufmerksamkeit, Gruppendynamik und die Frage, wer wann im Mittelpunkt steht |
| Perspektive |
POV-Darstellung aus der Sicht des Gebers oder Empfängers sowie unterschiedliche Kameraeinstellungen |
die gleiche Situation kann völlig anders wirken, je nachdem, ob sie beobachtet oder aus einer unmittelbaren Ich-Perspektive erlebt wird |
| Intimität oder Inszenierung |
private Schlafzimmeratmosphäre und Girlfriend-Experience einerseits, aufwendiges Role Play oder Cosplay andererseits |
persönliche Nähe und bewusstes Rollenspiel erlauben sehr unterschiedliche Formen von Kopfkino |
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, eine bekannte Szene möglichst originalgetreu nachzustellen. Interessanter ist, für sich selbst festzustellen, welcher Teil der Sexidee eigentlich den Kick ausmacht.
Ein Porno oder eine Sexgeschichte kann dafür den Anstoß liefern. Im Live-Kontext bekommt dieser Fantasiebaustein anschließend die Möglichkeit, sich spontan weiterzuentwickeln.
Der Kick des Unvorhersehbaren und die Bedeutung von Consent
Eine Session spontan 'als Regisseur' gestalten zu können, hat eindeutig seinen Reiz. Das bedeutet allerdings nicht, dass bei einer Live-Show alles jederzeit möglich oder erwünscht ist und keiner Kontrolle unterliegt. Im Gegenteil: Weil eine Situation spontan entstehen kann, kommt es umso mehr auf ein gegenseitiges Einverständnis und klar gesetzte Grenzen an.
Dabei darf jeder Wünsche äußern, ohne, dass das Gegenüber diese erfüllen muss. Ein Tabu, ein „Nein“, ein Rückzug oder eine Änderung der eigenen Vorstellung sollten jederzeit respektiert werden, das Verabreden eines
Safewords ist ebenfalls empfehlenswert.
So entsteht Unvorhersehbarkeit bei der Live-Fantasie nicht dadurch, dass Grenzen verschwimmen, sondern gerade innerhalb eines Rahmens, den alle Beteiligten freiwillig mittragen. Die Fantasie gibt die Richtung vor – Consent bestimmt, wie weit sie tatsächlich geht. Und das kann schon eine ganz schön spannende Reise ergeben …
Fazit: Blowjob-Fantasien brauchen nicht dieselbe Form, um dieselbe Lust anzusprechen
Eine Blowjob-Fantasie muss nicht in der Form bleiben, in der sie ursprünglich entstanden ist. Ein Porno oder eine Sexgeschichte kann den ersten Impuls liefern, das eigene Kopfkino daraus eine persönliche Vorstellung machen und Camsex daraus schließlich
eine neue Erfahrung entstehen lassen. Nicht als Kopie des Originals, sondern als Live-Interpretation einer persönlichen Sex-Idee.
Und das bringt uns jetzt auf die dazugehörigen Fragen an euch:
- Habt ihr spezielle erotische Vorlieben, die euch erst durch das Schauen von Sexvideos oder das Lesen von Sexgeschichten aufgefallen sind?
- Wie dürfen Pornos für euch sein? Lieber authentisch wirkende Amateurvideos oder doch lieber aufwendig gestaltete professionelle XXX-Filme?
- Und habt ihr sie schon einmal in Camsex-Szenarien übertragen? Wie war das? Und was war herausfordernd, was lief wie geschmiert?
Wir sind gespannt, was ihr uns dazu zu berichten habt, also schreibt uns eure Erfahrungen, Ideen und Tipps gern in die Kommentare.