In unserem Artikel zum Thema Mythos Porno und Porno-Mythen haben wir uns bereits einige spannende Aspekte rund um das, was man in Sexvideos zu sehen bekommt, geschnappt. Stichwort „omnipotenter Mann trifft auf dauerfeuchte Frau“. Und bei der Gelegenheit dachten wir, dass das Thema weibliches Abspritzen in diesem Zusammenhang ebenfalls eine genauere Betrachtung verdient. Schließlich haben sich auch zu diesem Phänomen zahlreiche Legenden entwickelt, die durch die oftmals verzerrte Darstellung in Pornos massiv befeuert werden und sich hartnäckig in den Köpfen halten. Doch wie kommt es dazu? Wie genau werden diese Illusionen erzeugt? Und macht es einen Unterschied, ob man sich professionelle Sexvideos oder authentischen Amateur-Porn zu Gemüte führt? Wir kommen den Squirting-Porn-Mythen auf die Schliche
Mythen rund um Squirting im Porn
Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Das Interesse vieler Frauen an pornografischen Inhalten, die ihre Lust und Anatomie stärker in den Mittelpunkt stellen, oder die Pornoindustrie, die genau solche Inhalte zunehmend produziert hat?
Wie immer schwer zu sagen. In puncto
Squirting hat sich jedoch gezeigt, dass dabei zusammenkommen kann, was zueinander passt. Allerdings gibt es auch hier wieder einmal einen kleinen (größeren) Haken an der Sache: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und so haben sich selbst in diesem Fall gleich einmal wieder mehrere „kreative Ideen“ (die nicht so ganz der Wahrheit entsprechen) durchgesetzt. Das sind die drei bekanntesten:
Mythos 1: Es handelt sich um ein reines, exklusives „Lustsekret“
Die Pornoindustrie inszeniert die austretende Flüssigkeit gerne als magisches Elixier der Erregung, das nichts mit normalen Körperfunktionen zu tun hat. Die wissenschaftliche Einordnung von Squirting ist dabei nicht in allen Details abschließend geklärt.
Jedoch herrscht in der Urologie und Sexualmedizin weitgehend Einigkeit darüber, dass die Flüssigkeit
überwiegend aus der Harnblase stammt und stark verdünntem Urin ähnelt. Gleichzeitig diskutieren Forscherinnen und Forscher aber noch intensiv darüber, in welchem Ausmaß die Skene-Drüsen („weibliche Prostata“) an der Zusammensetzung beteiligt sind und ob Squirting und weibliche Ejakulation als identische oder unterschiedliche Prozesse zu verstehen sind.
Wir sehen also, es ist kompliziert.
Mythos 2: Squirting ist der Beweis für den ultimativen Orgasmus
In Filmen präsentiert man den Flüssigkeitsausstoß fast immer als den absoluten, ohrenbetäubenden Höhepunkt weiblicher Lust. In der Realität entkoppeln Frauen diese beiden Aspekte jedoch häufig: Viele von ihnen erleben nämlich intensive Orgasmen ganz ohne Flüssigkeitsverlust. Andere squirten unabhängig von ihrer subjektiven Orgasmusintensität oder erleben dabei sogar gar keinen Höhepunkt.
Oder mit anderen Worten? Die Gleichung „Viel Flüssigkeit = viel Lust“ ist eine reine Erfindung für die Kamera.
Mythos 3: Jede Frau muss squirten
Die pornografische Omnipräsenz des Themas erzeugt einen enormen Leistungsdruck. Es entsteht der Eindruck, Squirting sei eine Standardfunktion des weiblichen Körpers, die man nur richtig „freischalten“ müsse.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben aber inzwischen bewiesen, dass die Anatomie und das Zusammenspiel von hormonellen, körperlichen und psychologischen Faktoren extrem individuell sind. Und das ist auch vollkommen in Ordnung. Die Fähigkeit oder Unfähigkeit zu squirten ist dementsprechend kein Gradmesser für
sexuelle Gesundheit oder die Qualität des Liebeslebens.
Soweit, so gut – da ist wohl einiges in eine nicht ganz so realistische Richtung gelaufen. Denn die Pornografie übertreibt, dramatisiert und manipuliert das weibliche Abspritzen sichtbar – trifft aber offenbar auch genau einen sehr realen erotischen Nerv. Wie kommt diese Mischung zustande?
Psychologische und visuelle Effekte der Inszenierung: Warum Squirting-Porn die Realität absichtlich verzerrt
Hand aufs Herz, wie viele Männer (und auch Frauen) interessieren sich wirklich für biologische Fragen wie die konkrete Zusammensetzung eines Squirts. Nein, meist geht es einfach eher um die symbolische Wirkung dahinter.
Und genau an der Stelle hat diese erotisch-sexuelle Praktik einiges zu bieten, weil sich als Motiv gleich mehrere starke psychologische Kicks bündelt:
- Kontrollverlust,
- körperlicher Überwältigung
- und maximale Intensität –
alles ist dabei.
Und nicht nur das, auch die Fantasie, dass frau ihre Lust nicht mehr eigenhändig lenken kann, sondern von ihrem Körper „übernommen“ wird, ist für viele Menschen extrem sexy.
Insofern schon clever von der Pornoindustrie sich das Squirting als sichtbaren Ausdruck von Ekstase, Chaos und deutlicher Hingabe zu schnappen. was man sehen kann, hält man schnell für echt. Ganz knapp gesagt (und ehrlicherweise ist es das oft doch nicht, aber dazu kommen wir noch später.)
Auf jeden Fall entsteht so der Eindruck einer Authentizität, bei der die sichtbare Körperlichkeit die Emotion in puncto Wichtigkeit aussticht. Dafür macht man(n) die Lust sichtbar – und genau diese Sichtbarkeit verstärkt ihre Wirkung.
Eine klassische Porno-Logik: Exakt wie der „Money Shot“ und die männliche Ejakulation lässt sich das Squirting zur Codierung eines eindeutig erkennbaren Höhepunkts nutzen. Denn warum nicht auch bei Frauen nutzen, was schon bei Männern funktioniert hat?
Es ist also genau diese Ambivalenz, die das Thema kulturell und psychologisch so interessant macht. Schließlich entsteht die Faszination nicht trotz der Inszenierung, sondern durch sie: zwischen dem Wunsch nach Authentizität, der Lust an Übertreibung und der Fantasie eines Moments, in dem Kontrolle, Scham und Körpergrenzen kurzzeitig aufgehoben scheinen.
Und es kommt noch etwas dazu …
In der professionellen Pornoproduktion spielen dabei nicht nur der Moment selbst eine Rolle, sondern auch dessen Wiederholbarkeit und visuelle Optimierung. Passend dazu
- wählt man ganz gezielt bestimmte Perspektiven,
- dreht Szenen mehrfach und
- bevorzugt besonders „sichtbare“ Momente für den finalen Schnitt.
In der Konsequenz zeigt der Studio-Porn also ein selektiertes Bild von Erotik, das weniger den gesamten Verlauf einer sexuellen Erfahrung, sondern eher visuell eindrucksvolle Ausschnitte abbildet. Kann man mögen, ist auch vollkommen in Ordnung.
Wer es jedoch etwas authentischer mag, sollte sich auf alle Fälle aber auch einmal mit
amateurhaften oder cambasierten Formaten befassen. Denn die präsentierten in der Regel deutlich häufiger spontane und weniger „kuratierte“ Abläufe – auch, wenn man eine gewisse bewusste Selbstinszenierung bei ihnen ebenfalls nicht vollständig ausschließen kann.
Squirting im Porno: Echte Körperreaktion oder filmisch erzeugte Inszenierung?
Körperliche Prozesse realistisch abbilden? Das kann man in Pornos auch mal machen – aber hey, eigentlich wissen wir ja alle, dass dies nicht unbedingt die Hauptintention von professionell gedrehten Sexfilmen ist. Und so folgt auch die Darstellung im Squirting-Porn in erster Linie visuellen und filmischen Logiken.
- Eindeutig ersichtlich wird das bei den gezeigten Flüssigkeitsmengen und der optischen Wirkung: Was man häufig als großvolumigen, glasklaren Ausstoß inszeniert, dient primär der maximalen Sichtbarkeit für die Kamera. In der Produktion kommen dabei mitunter auch unterstützende, die visuelle Wirkung verstärkende Mittel zum Einsatz, etwa starkes Trinken vor dem Dreh oder zusätzlich vorbereitete Flüssigkeiten.
- Außerdem prägt die Inszenierung auch stark die Darstellungsart: Squirting im Alltag beschreiben viele Menschen oft als einen eher fließenden oder schwallartigen Vorgang. Im Porno (und übrigens auch in einigen Comic-Sexgeschichten, viele Grüße an Dana aus Art Class 1 und 2) erzeigen Kameraperspektive, Schnitt und Bildkomposition aber häufig eher den Eindruck eines gezielten, kraftvollen „Sprühens“.
Die Ausrichtung der Szene ist dabei aber ohnehin klar: Der Moment soll eindeutig erkennbar und visuell eindeutig lesbar sein. Wobei damit auch noch ein anderer interessanter Faktor verbunden ist: die Differenz zwischen der Außen- und der Innenperspektive.
Beschreiben viele Menschen ihre physische Reaktion beim Squirting als wenig kontrollierbar und oft als durchaus befriedigend, aber deutlich weniger spektakulär, geht im Porno rund ums weibliche Abspritzen das Mega-Feuerwerk bestens sichtbar los. Wir haben es also mit einer Wahrnehmung von Intensität zu tun, die offenbar erst im Blick des Zuschauers und weniger im subjektiven Selbst entsteht.
Man könnte also glatt auf die Idee kommen, dass auch beim Squirten die mediale Interpretation wichtiger sein könnte, als die subjektive physische Erfahrung. Na, wenn das nicht ein echter Porno-Klassiker ist?!
Fazit, wie spritzig gestalten wir unser eigenes Sexleben?
Die starke kulturelle Aufladung des Squirting-Motivs lässt sich als Teil eines größeren Trends verstehen, in dem man sexuelle Inhalte zunehmend über ihre Sichtbarkeit und Eindeutigkeit definiert. Dabei erweist sich das weibliche Abspritzen im digitalen Raum ähnlich wie die männliche Ejakulation als besonders „lesbares“ Lustzeichen. Kein Wunder, erscheint sie doch visuell eindeutig – und was man sieht, was ist da? Was soll man da noch großartig interpretieren müssen? (eben ^^)
In der Folge ergibt sich daraus ein Spagat zwischen einem pornografischen Motiv auf der einen Seite und einem kulturellen Symbol für eine vermeintlich authentische sexuelle Intensität auf Frauenseite. Also vielleicht liegt die spannendste Frage am Ende gar nicht darin, ob Squirting im Porno realistisch dargestellt wird. Sondern darin, wie sehr solche Bilder unsere Vorstellungen von Sexualität beeinflussen.
So oder so hängt es aber von uns allen selbst ab, was wir daraus machen und ob wir das einfach so glauben und als 1:1-Erwartung in unser eigenes Sexleben mitnehmen …
Und was denkt ihr über den Squirting-Porn? Eure Erfahrungen und Einschätzungen sind gefragt!
- Wie bewusst geht ihr selbst mit pornografischen Darstellungen um? Nutzt ihr sie eher als Unterhaltung, als Orientierung oder als Mischung aus beidem?
- Glaubt ihr, dass sich durch neue Formate wie Camsex die Grenze zwischen Darstellung und echter Intimität weiter verschiebt?
- Und kennt ihr bestimmte authentische Squirting-Porn-Camsexplattformen oder -Porntubes, die ihr uns, zusätzlich zu unseren Tipps, empfehlen wollt?
Wir sind auf eure Eindrücke, Meinungen, Tipps und Erfahrungen gespannt, schreibt uns also unbedingt in die Kommentare, was euch diesbezüglich bewegt!