Kaum ein sexuelles Phänomen wird so kontrovers diskutiert wie das Squirting. Der Begriff beschreibt in der Regel die Abgabe von Flüssigkeit während intensiver sexueller Erregung oder eines Orgasmus. Zuweilen kennt man ihn auch unter der Bezeichnung weibliche Ejakulation, wobei man bezüglich einer Abgrenzung dazu in der Wissenschaft noch intensiv forscht. Was sich hingegen schon weitergehend klären ließ, ist die Zusammensetzung der abgespritzten Flüssigkeit. Und es gibt noch mehr interessante Aspekte – wie die Fragen, ob jede Frau squirten kann, wie es sich anfühlt oder ob es für ein erfüllendes Sexleben wichtig ist. Was sich aber auf jeden Fall schon einmal festhalten lässt: In den 2010er Jahren über Pornos bekannt geworden, ist das Squirting ein Thema, das sich anhaltender Aufmerksamkeit erfreut.
Was ist Squirting?
Das „Squirten“ bezieht sich vermutlich auf die Freisetzung von Flüssigkeit aus den
Paraurethraldrüsen (auch als Skene-Drüsen bekannt) während der sexuellen Stimulation oder des Orgasmus'. Diese Flüssigkeit wird manchmal als „weibliche Ejakulation“ bezeichnet, was jedoch eine Frage aufwirft:
Ist Squirting dasselbe wie die weibliche Ejakulation?
Bezüglich dieser Frage gehen die Meinungen und Forschungsansätze deutlich auseinander. Das liegt daran, dass bisher nicht abschließend geklärt ist, wie genau die jeweiligen Flüssigkeiten zusammengesetzt sind, wie viel von ihnen jeweils vorhanden ist, und wo sie herkommen und austreten.
Eine Ansicht ist, dass
- beim Squirten eine klare, ziemlich wässrige Flüssigkeit stoßweise über die Harnröhre abgegeben wird, die tendenziell geruchslos ist und nicht zwangsweise in einem Zusammenhang mit dem Orgasmus zu stehen braucht, während
- bei der weiblichen Ejakulation ein farbloses bis weißliches Sekret, das dem männlichen Sperma ähnelt und das direkt über die Vagina abgegeben wird.
Werden beide jedoch als identischer Vorgang betrachtet, gehen einige Forscherinnen und Forscher davon aus, dass die sogenannten Skene-Drüsen dafür verantwortlich sind. Diese sind von Frau zu Frau unterschiedlich groß und bei einigen sogar überhaupt nicht vorhanden oder inaktiv. Neben dem individuell erreichbaren Erregungslevel ist dies womöglich ein Grund, warum nicht jeder Mensch mit weiblicher Anatomie das Squirting aus
eigener Erfahrung kennt.
Ist Squirting Urin oder eine andere Körperflüssigkeit?
Die Frage, ob es sich dabei um Urin handelt, gehört zu den meistdiskutierten Aspekten des Phänomens, und lange Zeit verbreitete sich auch genau diese Annahme in der öffentlichen Wahrnehmung.
Neuere Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass alles etwas komplexer als gedacht ist. Analysen der ausgeschiedenen Flüssigkeit zeigen, dass diese in vielen Fällen aus der Nähe der Harnröhre stammt und Bestandteile enthalten kann, die auch im Urin vorkommen. Gleichzeitig konnte das Forschungsteam jedoch auch Sekrete aus den angesprochenen Paraurethraldrüsen nachweisen, was auf eine nicht rein urinbasierte Flüssigkeit hindeutet.
Daher wird Squirting heute häufig als Mischform beschrieben, bei der sowohl drüsige Sekrete als auch Flüssigkeit aus der Blase beteiligt sein können. Im Endeffekt ist allerdings weniger die exakte Zusammensetzung als vielmehr der physiologische Mechanismus während einer intensiven sexuellen Stimulation entscheidend.
Außerdem treibt noch eine andere Frage viele Menschen um:
Wie fühlt sich Squirting an?
Die subjektiven Empfindungen werden sehr unterschiedlich beschrieben. Viele Personen berichten von einem intensiven Spannungsaufbau im Unterbauch oder Beckenbereich, der sich deutlich vom klassischen Orgasmusgefühl unterscheiden kann. Dabei gilt der Moment der Flüssigkeitsfreisetzung als entlastend oder befreiend.
Gleichzeitig erwähnen einige Squirter einen sehr starken körperlichen Höhepunkt, der jedoch nicht zwangsweise einem Orgasmus entspricht. Andere wiederum empfinden das Squirten eher als Teil eines umfassenden Erregungszustands, der sich nicht klar von anderen sexuellen Empfindungen abgrenzen lässt. Man sieht also an den vielfältigen Erfahrungen, dass es ein individuell sehr variables Phänomen zu sein scheint.
Kann jede Frau squirten?
In der Fachwelt ist weitgehender Konsens, dass vorhandene und aktive Skene-Drüsen jeden Menschen mit weiblicher Anatomie potenziell zum Abspritzen befähigen. Einige Expertinnen und Experten vertreten sogar die Ansicht, dass es sogar ohne diese Drüsen möglich ist. Und was man unabhängig davon festhalten kann: Es ist nicht nur, aber auch Kopfsache …
Welche Faktoren können das Squirting unterstützen?
In der Tat scheint es kein rein zufälliger Vorgang zu sein, sondern an ein Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren gebunden zu sein. Der Trick dabei scheint eine zunehmende, sich über einen längeren Zeitraum aufbauende sexuelle Erregung zu sein, die in eine sehr intensive Form der Stimulation übergeht.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Bereich der sogenannten G-Zone, der bei vielen Menschen mit weiblicher Anatomie als besonders sensibel gilt, und beispielsweise beim
Sex im Doggystyle stimuliert wird. Doch nicht nur die körperliche Reizung, auch der mentale Zustand spielt im Aufbau der Erregung offenbar eine wesentliche Rolle – Stichworte: Entspannung, Vertrauen und Sicherheit.
Aber noch einmal zurück zur körperlichen Stimulation: Was sie betrifft, sind die Möglichkeiten vielfältig. Besonders beliebt sind natürlich die Finger oder spezielle Sexspielzeuge. Wer sich jedoch nun denkt, dass es einen einzigen Königsweg zur Ekstase geben könnte, irrt sich. Schließlich sind die individuellen Vorlieben sehr unterschiedlich, und bislang hat sich keine Garantie-Squirt-Methode finden lassen. Apropos individuelle Unterschiede …
Squirting beim Sex und mit Sexspielzeug – gibt es Unterschiede?
Als Faustregel hierbei gilt: Ob man es beim Sex oder durch Sexspielzeug erlebt, hängt weniger vom grundlegenden physiologischen Vorgang als vielmehr von der Art der Stimulation und der Gesamtsituation ab.
- Sexspielzeuge (gerade, wenn man sie beim Solo-Sex nutzt,) ermöglichen häufig eine sehr gezielte, konstante und reproduzierbare Stimulation. Dadurch lässt sich der physische Reiz gleichmäßiger aufbauen, was manchen Menschen den Zugang zu diesem Erlebnis erleichtert.
- Beim Sex mit einem Partner oder einer Partnerin spielen dagegen oft zusätzliche Faktoren eine Rolle. Dazu gehören emotionale Nähe, Kommunikation und die jeweils aktuelle Moment-Situation. Alles Elemente, die das Erleben intensivieren, den Verlauf jedoch auch variabler machen.
Oder mit anderen Worten: Alles eine Frage der persönlichen Vorlieben. Deswegen lässt sich auch der folgende Aspekt festhalten:
Macht Squirting den Sex besser?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Wichtig scheint aber auch zu sein, dass auch die Partnerin oder der Partner Freude an diesem hochgradig feuchten Erlebnis haben. Abhängig von der Stellung und der Anatomie kann sich ein Übermaß an Flüssigkeit natürlich auf die Intensität der Stimulation auswirken, gerade beim
Sex mit Kondom.
Dennoch sollte man bei Bedarf auf keinen Fall auf den richtigen Schutz verzichten. Im Bedarfsfall lässt sich ein Teil der Flüssigkeit mittels Taschentuch aufnehmen, bevor es wieder in voller Leidenschaft weitergeht. Als Partnerin oder Partner sollte man einen Squirt stets als Kompliment begreifen, immerhin ist es ein Zeichen größter sexueller Lust. Allerdings ist er dafür an sich nicht notwendig. Denn auch, wenn man nicht squirtet, kann man hervorragenden Sex erleben.
Warum ist Squirting noch immer ein Tabuthema?
Vielen Menschen fällt es nach wie vor schwer, über erotische Themen offen zu sprechen. Das gilt insbesondere für vermeintlich außergewöhnliche körperliche Vorgänge wie den feuchten Orgasmus auf Frauenseite.
Hinzu kommt, dass die Pornografie und der
Camsex es schon vor langer Zeit für sich entdeckt haben. Man(n) bringt es häufig vorschnell mit Attributen wie ‚versaut‘ oder ‚
verdorben‘ in Verbindung, was nicht jede Frau als Kompliment für sich annimmt.
Umso wichtiger ist es, das Thema zu entkrampfen und zu zeigen, dass es sich um einen vollkommen natürlichen Vorgang handelt. Und nicht zuletzt sollte man(n) nicht davon ausgehen, dass eine Frau sich dafür begeistert, nur weil Mann auf eine spritzende Muschi steht. Eine nähere Beschäftigung mit dieser sexuell-erotischen Spielart sollte also nie aufgezwungen oder anderweitig aufgenötigt werden.
Interessanterweise hat es jedoch auch gerade der Squirting-Porn speziell in den 2010er Jahren geschafft, das Thema aufs Tableau zu bringen und bei einer breiteren Öffentlichkeit für das gewisse, weiterführende Interesse zu sorgen.
Das scheint besonders bei Frauen der Fall gewesen zu sein, wie unter anderem die
Pornhub Insights von 2017 dazu offengelegt haben. Wer mehr darüber wissen will, sollte also bald einmal unbedingt in unseren dazu passenden Magazinartikel
Squirting-Porn finden schauen …